Warum eigenes Saatgut gewinnen?

Langsam aber sicher neigt sich die Saison dem Ende zu. Neben der Pflanzung von Sonnenblumen und tatarischen Buchweizen, beginnt auch die Gewinnung des Saatgut verschiedener Pflanzen. Die Entnahme der Samen ist bei jeder Pflanze ein bisschen unterschiedlich. Allerdings lohnt es sich den Aufwand zu betreiben. Das möchte ich dir in diesem Blogeintrag näher bringen.

Meine "Soo you long" Gurke

1. Warum sollte ich eigenes Saatgut gewinnen?

Es gibt eine Vielzahl von Gründe eigenes Saatgut zu gewinnen. Ich werden aus meiner Sicht die wichtigsten Gründen anführen. Das sind die Hintergründe für meine Saatgutgewinnung.

1.1 Finanzielle Gründe

So ein Samenpacket kann ganz schön teuer sein. Vor allem, wenn man wie ich einen größeren Garten sowie ein ganzes Grundstück zum Anbauen hat. Allein die Vielfalt an Tomatensorten ist überwältigend. Da kann es sehr schnell passieren, dass tief in die Tasche gegriffen werden muss. Letztendlich bezahlt man circa 3 € für 15 Samen. Das ist bei Fruchtgemüse wie bei Tomaten, Gurken und Zucchini der Fall. Natürlich ist dieses Saatgut samenfest und biologisch.

Als ich vom meiner russischen Einlegegurke die Samen entnommen habe, so habe ich gleich 50 Samen gewonnen. Das gleiche bei den Tomaten, wenn drei bis vier Früchte genommen werden.

1.2 Anpassung der Pflanze

Wie bei uns Menschen pflanzen sich unsere grünen Freunde über die Samen fort. Dabei geben sie wertvolle Erbinformationen weiter, die der nachfolgenden Generation den Aufenthalt erleichtern.  Zu den Informationen zählen unteranderen:

Die Wetterverhältnisse wie häufige Niederschläge, Hitze, Kälte und Wind

Bodenqualität

Liebe und Pflege des Gärtners oder Gärtnerin

Grundsätzlich werden die nachfolgenden Pflanzen stärker, robuster und widerstandsfähiger. Schließlich sollen sie auch die Art erhalten.

1.3 Sortenerhalt

Sepp Holzer betont das immer wieder in seinen Vorträgen und Videos.

Genmanipuliertes Saatgut wie Hybridsorten sind ein Verbrechen gegen die Natur.

Dabei hat er nicht ganz unrecht. Ich persönlich teile seine Meinung. Es ist einfach schade, dass der Mensch in die Schöpfung der Pflanzen eingreift und diese aus Profitgründen ausnutzen. Es ist ein lukratives Geschäft von den riesen Konzernen. Jegliche Saatgutbanken in Ländern aufkaufen, einjährige Samen kaufen, wovon der Landwirt jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss.

Viele Einheimische und alte Kultursorten werden von den Märkten verdrängt. Daher ist es umso wichtiger alte Sorten anzubauen und diese Freunde und Bekannten zu schenken!!

Geeignete Saatguttauschbörsen werden ich später in diesem Artikel ansprechen.

Auch kann ich auch die Bücher von Sepp Holzer nur wärmstens empfehlen. Das Prinzip der Permakultur erklärt wer wunderbar. Ein Werk vom ihm:

2. Worauf sollte ich bei der Gewinnung achten?

Für mich ist es auch das erste Mal, dass ich mein Saatgut von meinen Pflanzen gewinne. Da gibt es einige Punkte, die beachtet werden sollten. Jedoch sind diese überschaubar und auch schnell umsetzbar. 

Samenvielfalt
© garten-des-lebens.de

2.1 Samenfeste Sorten

Eigentlich sollte dieser Punkt selbstverständlich sein. Jeder sollte so viel Bewusstsein entwickelt haben, dass es selbstverständlich ist auf zum Beispiel Hybridsorten (F1) zu verzichten. Werden aus diesen Sorten Samen entnommen und für die nächste Saison verwendet, entstehen dabei eher schwache Pflanze. Ihre Früchte habe eine andere Form und Aussehen als ihre Ursprungssorte. Wahlweise kann auch die Ursprungszüchtung herauskommen.

Es ist umso wichtiger echtes und reines Saatgut zu verwenden und das schon bei der Basis im Anfangsjahr des Gärtners. Nur so können alte und bewährte Sorten erhalten werden. Diese werden auf dem Markt oftmals von den Hybridsorten verdrängt mit schicken Signalworten wie “Ertragreich” und “schnelles Wachstum”. Im weiteren Verlauf des Artikels werde ich auch noch auf Quellen verweisen, bei denen hochwertiges Saatgut erwerben kann.

2.2 Reife

Ein Punkt auf den ich immer als Rohköstler achte. Die Reife der Früchte, die ich konsumiere. Schreitet der Reifeprozess voran, so kommt die Pflanze in ein Stadium, dass sie beginnt sich zu vermehren. Die Samen werden weiter ausgebildet. Das heißt im Klartext.

 

Je reifer die Frucht, desto reifer die Samen und das erhöht die Keimwahrscheinleichkeit. Besonders bei Gurken ist das zu beachten. Mehr dazu später.

2.3 Geschmack und Form

Natürlich sollte man oder frau diese Frucht für die Vermehrung verwenden, die vom Geschmack überzeugen. Jeder Mensch hat einen individuellen Geschmack und die unzähligen Tomatensorten muss nicht jedem gleich zusagen. Außerdem wird auch Arbeitszeit eingespart, wenn nur wirklich die Sorten vermehrt werden, die einen auch gut schmecken.

Eine Regel, die viele erfahrene Gärtner empfehlen. Nur die Früchte verwenden, die schön sind. Im Beispiel bei Tomaten sollte ich nur diejenigen Früchte verwenden, die groß, eine schöne Form und keine Aufsprungstellen haben. Ob genau diese Merkmale weitergeben werden kann möglich sein. Vielleicht möchte man einfach auf nummersicher gehen. Viele Landwirte und Selbstversorger verkaufen auch ihre Erzeugnisse und der Konsument kauft ungerne “komische” Früchte

2.4 Trocknung und Lagerung 

Zur Trocknung lege ich die Samen auf eine Küchenrolle und lasse einige Stunde in der Sonne liegen. Die Küchenrolle saugt zusätzlich die Flüssigkeiten auf und die Wärme der Sonne erledigt den Rest. Im Anschluss kann ich die Samen in ein Tütchen abpacken und diese natürlich beschriften.

Das Saatgut sollte kühl, lichtgeschützt und trocken gelagert werden. Dadurch wird die Keimkraft der Samen nicht vermindert. Ich persönlich verwende eine alte Keksdose und verstau diese im Keller. Dort lege ich meine kleinen Samenpackete hinein und ich weiß genau wo meine Sammlung verstaut ist. Davor habe ich die Verpackung der Teebeutel und dessen Schachtel verwendet. 

3. Saatgutgewinnung bei verschiedenen Pflanzen

Jede Pflanze hat unterschiedliche Blüten und auch Früchte. Daher gibt es auch einige unterschiede bei der Samengewinnung. Daher möchte ich dir meine Erfahrungen und Weißheiten von anderen Menschen dir etwas näherbringen.

3.1 Tomaten

Fangen wir mit der beliebtesten Pflanze. Das gute Nachtschattengewächs die Tomate. Ich kenne keinen, der sagt, dass er nicht gerne frische Tomaten isst. Außerdem gibt es auch eine große Vielfalt an Sorten. Dadurch gibt es Tomaten in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen. Natürlich unterscheiden sie sich auch von dem Geschmack.

Werden die Tomaten aufgeschnitten, so sind die Samenkammern sofort sichtbar. Die Samen können einfach mit einem Löffel entnommen werden und auf eine Küchenrolle ausgestrichen. Im Anschluss können die Frucht einfach verzehrt werden.

Es passiert mich auch oft, dass ich in große Fleischtomaten beiße und die Samen im Anschluss an meiner Kleidung oder an meinen Bart hängen bleiben.

😁

Tomatensamen
© Pixabay

3.2 Paprikas und Chillis

Auch bei der Paprika oder der Chili wird einfach die Frucht aufgeschnitten und die Samen entnommen. Dabei gilt bei den Früchten:

Je reifer die Frucht, desto schrumpeliger und weniger Wasser hat sie.

Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass man sich nicht die Augen reibt, nachdem die Chilisamen entnommen wurden. Das könnte unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Perperoni und Paprika
© scharfundlecker.de

3.3 Gurken

Meine "Soo you long" Gurke

Einer meiner Lieblingspflanzen. Die wasserreiche Gurke. Die Gurke bildet ihre Samen im Laufe des Wachstums aus. Anfangs ist die Schale weich und knackig. Die Samen sind klein. Damit die Samen volle Keimfähigkeit erreichen, sollte die Frucht solange an der Pflanze hängen bis sie hart und gelb wird. Nach der Ernte wird die Frucht bei Zimmertemperatur zum nachreifen belassen. Zwei Wochen später einfach aufschneiden und die Samen trocknen.

halbierte Gurke
© experimentselbstversorgung.net

3.4 Salate und Kräuter

Fangen Salate oder Kräuter an auszutreiben, so ist das einfach zu erkennen. Sie bilden ein Gerüst, an denen am Ende die Samen hängen. Diese sehen aus wie die Löwenzahnsamen. Die gute Pusteblume. Diese können einfach abgeerntet werden, sobald die kleinen weißen Fallschirme gebildet worden sind.

Auch eine große Menge an Dill habe ich in dieser Saison geerntet. Dieser Vorrat hält für mehrere Jahre. Die Stiele werden trocken und fallen einfach ab, wenn sie berührt werden. Diese können auch von Winde verweht werden.

Treibender Salat
© hausgarten.net

3.5 Kürbisgewächse wie Zucchinis und Kürbisse

Die Blüten von Kürbissen und Zucchinis sind identisch. Werden diese Pflanzen zu nah gesetzt, kann es vorkommen, dass unserer kleine Freunde die Pollen der unterschiedlichen Pflanzen austauschen. So sind Kreuzungen möglich. Zierkürbisse sollte man besonders behutsam sein. Eine bitterschmeckende Zucchini ist kein gutes Zeichen.

Daher ist die Verhütung und die Handbestäubung die sicherste Methode für die Saatgutgewinnung. Hierzu findest du ein Video hier. Vorsicht Englisch!

Aufgeschnittener Kürbis
© pixabay

4. Bezugsquellen und Tauschbörse

Es gibt auf dem Markt viele Anbieter, die Saatgut vertreiben. Allerdings ist dieser auch mit vielen hybrid- und genmanipulierten Sorten überschwemmt. Folgende Bezugsquellen liefern biologisches, samenfeste Sorten an, die über jahrelangen Anbau sichergestellt werden.

Dreschflegel.de

Ochsenherz.at

Deaflora.de

Lilatomaten.de

Reinsaat.at

Archenoah.at

Irinas-shop.de

Kartoffelvielfalt

Am besten jedoch ist es auch Saatgut zu tauschen. Es gibt viele Gruppen auf Facebook. Auch extra Tauschbörse für den Anlass ist vorhanden. Diese findest du hier.

5. Meine Saatgutgewinnung

Abschließend möchte ich noch auf mein Video auf You Tube verweisen. Dort sind einige Beispiele zu entnehmen, wie ich meine ersten Samen ernte.

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Alternativ kannst du auch diesen Link benutzen, der dich direkt zum Video auf die Website des Videoanbieters bringt: https://youtu.be/OwyXh4dL9w4

Falls du mehr Informationen zu meinen Projekt haben möchtest, dann klicke einfach hier.

 

Vielen Dank für das Teilen 🙂

6 Replies to “Warum eigenes Saatgut gewinnen?”

  1. Lieber Christian, dein Auftreten ermuntert mich, im nächsten Frühling in den Semesterferien einiges auf dem Grundstück meiner Eltern anzupflanzen. Für die wertvollen Informationen, die du so freigiebig teilst, werde ich die via affiliate-links Unterstützung zukommen lassen und biete an kostenfrei deine Texte auf der website gegenzulesen und auf Rechtschreibung zu überprüfen. (Natürlich nur wenn du das möchtest und darauf Wert legst.) Alles Liebe, Konstantin

    1. Vielen Dank 🙂

      Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn du meine Artikel gegenlesen willst. Vielen Dank für deine Unterstützung.
      Außerdem freue ich mich, dass du nun auch Lust am Gärtnern gewonnen hast. Mach dir schonmal einen groben Plan wie du vorgehen willst und was genau dir schmeckt.
      Sonst kommst du in den Stress und hektik und das nimmt dir die Freude am Gärtnern.

      Gerne helfe ich dir auch bei der Planung, wenn du Fragen hast.

      Liebe Grüße 🙂

      1. Hey, ich habe leider diese Antwort erst jetzt gesehen, dachte die Antwort käme auch per mail. Dann mache ich mich morgen direkt an die Arbeit und schicke dir die gegengelesenen Artikel per e-mail. Magst du mir deine Adresse mitteilen? 🙂
        Danke vielmals für deine Hilfsbereitschaft (bin auch derjenige, welcher dich bei youtube nach Kakao gefragt hatte).

        Alles Liebe

  2. Hi Christian,

    kannst Du mir irgendwie den Zugang zur editierbaren Website ermöglichen, damit ich direkt eingreifen könnte und dir anschließend eine Liste mit potentiellen Veränderungen zukommen lassen?

    Alles Liebe

    Konstantin

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