Urban Gardening – Der Selbstversorger in der Stadt.

Mein Sprossenregal mit Süßgras

Was kann ein Mensch machen, wenn er keinen eigenen Garten zu Verfügung hat?

Viele Menschen leben in Städten, um dort ihre Arbeit und den Alltag nachzugehen. Daher haben die meisten nur einen Balkon zur Verfügung, um in Töpfen Obst und Gemüse anzubauen. Allerdings halten sich dabei die Vielfalt sehr in Grenzen.

Allerdings müssen wir nicht den Sand in den Kopf stecken! Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie wir uns selbst in einer Großstadt, ohne einen eigenen Garten, selbst versorgen können. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie du zu einem kleinen Selbstversorger in deinen eigenen vier Wänden werden kannst zum Beispiel mit vitalreichen Sprossen.

1. Balkongärtner​

Balkongarten

Der Balkon eignet sich hervorragend, um sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Es gibt viele Menschen, die in ihren Balkonkästen, auf engsten Raum, alles Mögliche an. Es ist atemberaubend, wie die Menschen den engsten Raum effizient und intelligent ausnutzen. Wie ist es möglich, dass wir ein kleiner Selbstversorger auf dem Balkon werden?

1.1 Ausrüstung​

Natürlich ist die Ausrüstung das A & O für einen erfolgreichen Anbau. Daher werde ich kurz auf die wichtigsten Hilfsmittel eingehen.

1.1.1 Töpfe und Pflanzmöglichkeiten​

Es ist logisch, dass ein Balkon nicht einfach mit Erde aufgefüllt werden kann. 😊 Daher sind Töpfe, Kübeln und Balkonkästen notwendig, um seine Pflänzchen als Selbstversorger groß zu ziehen. Grundsätzlich kann jede Kulturpflanze in solchen Behältern aufgezogen werden kann. Die Tiefe der Ausrüstung ist entscheidend. Beispielsweiße benötigt ein Salat keinen so tiefen Topf wie eine Tomatenpflanze, die sehr tiefe Wurzel bildet. Ich habe auch Menschen kennengelernt, dass Menschen auf ihrem Balkon auch Säulenobst in großen Mörtelkübeln anbauen. Wunderbare Äpfel im Sommer. 😊 💙

1.1.2 Bokashi-Eimer​

Der Bokashi Eimer ist ein hervorragendes Hilfsmittel, um seine Küchenabfälle zu fermentieren. Die Küchenabfälle werden klein geschnitten in den Eimer gegeben, zusammengestampft, Pflanzenkohle und Effektive Mikroorganismen zugegeben. Der Eimer wird luftdicht verschlossen und bei Zimmertemperatur für vier Wochen fermentiert. Auch kann über den Abflusshahn ein wunderbarer Dünger gewonnen werden, der im Verhältnis von 1:10 ins Gießwasser, die Pflanzen nährt. Ist das Ferment fertig, so kann dieser eingearbeitet werden und innerhalb von kürzester Zeit wird dieser vom Bodenleben verarbeitet. Ich habe auch einen Versuch gestartet und habe in Metzgereien kostenlos 10 Kilogramm Eimer erhalten. Diese Eimer können luftdicht verschlossen werden und ohne den Hahn, schimmelt das Ferment nicht. Einfach wunderbar und preiswert 😊

1.1.3 Wurmkiste​

Eine solche Kiste ist auch sehr hervorragend, um Wurmhumus und Dünger herzustellen. Davon profitieren die Pflanzen sehr. In eine Wurmkiste werden die Küchenreste hineingegeben und die Würmer kompostieren fleißig diese. Regenwürmer kompostieren circa die Hälfte ihres Körpergewichtes am Tag. Allerdings muss die Wurmfarm auf Hochtouren laufen. Das heißt, die Würmer müssen erstmal eine große Population gründen und die Temperatur muss natürlich stimmen. Circa 20 bis 25 Grad sind optimal. Nicht zu trocken oder zu feucht sollte es sein, um Schimmel zu meiden. 

1.1.3.1 Welche Küchenreste sind geeignet?​

 

  • Kartoffel-, Zwiebelschalen und andere rohe Gemüsereste wie Salatstrünke
  • Tee- und Kaffeesatz, Filterpapier und Teebeutel (nicht aus Plastik!)
  • ungesalzene, gekochte Reste (etwa Pellkartoffelschalen)
  • zerkleinerte Eierschalen
  • abgeschnittene Fingernägel und Haare (auch Tierhaare)
  • Schnitt- und Topfblumenreste

Gut ist es, die Reste klein zu reißen oder zu schneiden. Aber wenn dir das zu aufwendig ist, macht es auch nicht so viel, es dauert dann nur etwas länger mit dem Kompostieren.

 

1.1.3.2 Welche Küchenreste sind nicht geeignet?​

 

  • Knoblauchzehen (Schalen gehen aber)
  • Ingwer
  • Schalen von Zitrusfrüchten (wirken antibakteriell und zersetzen sich daher langsam)
  • Brotreste (schimmeln schnell)

in einem so kleinen Kompost wie der Wurmkiste empfehlen sie sich nicht, weil sie stark schimmeln oder streng riechen oder durch ihre antibakteriellen Eigenschaften das Gleichgewicht durcheinanderbringen können.

Als Urbaner Selbstversoger ist eine Wurmkiste eine wahre Bereicherung. 💙

1.1.4 Förderung der Artenvielfalt​

Als ein Mensch, der leidenschaftlich für die Permakultur hat, ist es wichtig, für die Artenvielfalt zu sorgen. Die verschiedenen Insekten, Vögel und Bienen sorgen für ein Gleichgewicht und unliebsame „Krankheiten“ oder „Plagen“ unterdrücken. Zumal die Insekten auch für die Bestäubung sehr wichtig sind.

Es gibt viele Möglichkeiten für unsere Freunde zu sorgen. Beispielsweiße kann in einem Stück eines Baumstammes Löcher für Wildbiene gebohrt werden. Mit einem Durchmesser von circa 5 – 10 mm und 10 Zentimeter tief, damit sich sowohl weibliche als auch männliche Bienen ansiedeln.

Auch schicke Insektenhotels können aufgehangen wird und für die Vögel können Meisen Knödel, Schwimmteiche oder weiter Futterstellen aufbauen. Natürlich ist es auch wichtig, verschiedene Kulturpflanzen und Blumen auszusähen, um viele verschiedene Insekten und Vögel anzulocken.

Insektenhotel

1.2 Saatgut​

Auch für den urbanen Selbstversorger ist gutes und sortenechtes Saatgut wichtig. F1-Hybride sind zu meiden und ich finde sie ein Verbrechen gegen die Natur. Aus Ihnen kann kein Saatgut gewonnen werden, ohne die bevorzugen Eigenschaften der Pflanze zu erhalten. Lediglich die Eigenschaften der gekreuzten Pflanzen werden vererbt. Das heißt, dass ich im nächsten Jahr eine andere Pflanze, als die Mutterpflanze.

Um das Kulturgut von den großen Konzernen zu nehmen, sollten wir bewusst nachhaltiges und sortenfestes Saatgut verwenden.

In diesem Artikel habe ich Einige aufgelistet. Den findest du hier: 

1.3 Wichtige Hinweise​

Natürlich sind einige Dinge zu beachten. Einerseits können wir nicht einfach den Balkon vollstellen, ohne dabei das Lastgewicht zu berücksichtigen. Vor allem, wenn die Erde feucht durch ein starkes Regenwetter ist. Selbstverständlich auch sturmfest. Schließlich sollen die Balkonkästen und Pflanzen auf der Straße landen oder auf dem Nachbarsbalkon. Das sorgt für einen vermeidbaren Stress. Mit den Nachbarn ist es auch abzusprechen, was wir auf dem Balkon vorhaben. Unangenehme Gerüche von einer Brennnesseljauche oder Vogelkot ist keine Freude für jeden Menschen. Wir müssen auf unsere Mitmenschen achten und sie respektieren. Nur gemeinsam ist eine harmonische Welt zu schaffen.

Für mehr Tipps und Tricks kann ich dir wärmstens den Biobalkon-Kongress empfehlen. Dort haben viele Menschen ihre Erfahrungen als urbaner Selbstversorger geteilt. Von Ihren Erfolgen kannst auch du profitieren.

Zum Kongress geht es hier.

2. Gras- und Sprossenzucht​

Mein Sprossenregal mit Süßgras

Diese Möglichkeit bin ich einige Jahre nachgegangen und ist ebenfalls ein wichtiger Teil der urbanen Selbstversorgung. Die Grünkraut- und Sprossenanzucht. Das habe ich ganz einfach im Keller meiner Eltern gemacht. Selbstverständlich ist eine Küche besser dafür geeignet. Allerdings habe ich anpassen müssen. Jedenfalls habe ich sehr viele Erfahrungen gemacht, die ich mit euch teilen will.

2.1 Ausrüstung​

Wie auch beim Gärtnern auf dem Balkon, erleichtert eine optimale Ausrüstung, die Anzucht der kleinen Pflänzchen. Daher gehe ich auf die wichtigsten Ausrüstungen ein, damit die Zucht durchgeführt werden kann.

2.1.1 Anzuchtschalen und Keimgläser​

Für die Anzucht von frischen Grünkraut benötigen wir am besten Anzuchtschale oder tiefe Untersetzer für Blumentöpfe. In Ihnen können die verschiedenen Samen hervorragend Wurzeln bilden und können dabei wunderbar wachsen. In Baummärkten oder Gartencenter gibt es eine Fülle von Schalen, die sich dafür eignen.

Für die Sprossenzucht benötigen wir Keimgläser. Diese Gläser haben einen Deckel mit einem Sieb und diese Gläser sind meistens in einem Set erhältlich, welches ein Gestell und Abtropfschalen enthalten. Ich habe sowohl Keimgläser, die einen Liter umfassen, als auch große Gläser, die zwei Liter aufnehmen können. Speziell für die Zucht von Alfalfa Sprossen habe ich drei Liter Einmachgläser verwendet, weil diese Sprossen ein großes Volumen erlangen. 

2.2 Sprossen​

Kommen wir zu dem Wichtigsten. Ohne die Samen wächst natürlich nichts. In diesem Punkt möchte ich auf die Sprossen eingehen, die ich gerne gegessen habe oder schöne grüne Säfte geschaffen habe.

2.2.1 Alfalfa​

Die Königin aller Sprossen. Die Alfalfa oder auch Luzerne genannt. Sehr nährstoffreich und einen hohen Gehalt an Chlorophyll weist sie auf. Ganz besonders liebenswert finde ich sie, weil sie ein sehr großes Volumen entwickelt. Aus einem Esslöffel kann ein ganzes drei Liter Einmachglas, an wunderbares Grün entstehen. Sie ist sehr saftig und eine wunderbare Bereicherung in jedem Salat. Allerdings benötigt sie acht Tage, bis sie verzehrfähig ist, da erst ab diesem Zeitpunkt, sämtliche Schadstoffe abgebaut worden sind.

2.2.2 Buchweizen​

Gerade für den Anfang der Rohkostreinigung sind Buchweizensprossen ideal für den Umstieg. Sie schmecken sehr nussig und dämpfen die Entgiftung. Vor allem sind sie sehr einfach herzustellen. Lediglich ein bis drei Tage benötigen Sie, bis sie verzehrfähig sind. Je länger sie keimen, desto weniger Schleim haben sie. Der Schleim ist auch der Grund, warum die Buchweizen gründlich gespült werden müssen. Sonst fangen sie an zu schimmeln. Auch für circa zwei Stunden müssen sie nur eingeweicht werden.

2.2.3 Mungbohnen​

Wie die Buchweizensprossen sind auch die Mungbohnensprossen ideal für den Umstieg auf die Rohkost. Allerdings schleimen diese Sprossen nicht so stark wie die zuvor erwähnten. Sie sind sehr einfach herzustellen und sind nach zwei Tagen verzehrfähig. Je länger diese Sprossen keimen, desto bitterer schmecken sie, weil die Pflanze weiterwachsen will. Ein Frassschutz der Pflanze ist das.

2.2.4 Brokolli​

Für alle die es etwas schärfer haben wollen, sind Brokkolisprossen eine wahre Bereicherung. Sind können wunderbar in einen Salat gemischt werden und an kalten Tagen sind diese auch eine gute Wärmequelle. Für die Anzucht muss beachtet werden, dass sie im Wasser schwimmen und besonders gut abgetropft werden müssen. Ein Sieb ist daher notwendig. Auch Grünkraut kann aus diesen Sprossen gezogen werden. Allerdings sollte es hier ein Löffel verwendet werden, um diese auf der Erde auszustreichen. Das Grünkraut ist besonders gut für grüne Säfte.

Ganz allgemein sollten die meisten Sprossenarten für circa sechs bis acht Stunden eingeweicht werden und je nach Wetter- und Klimabedingungen sollten täglich mindestens zwei Mal gespült werden. An heißen Sommertagen kann es auch öfter sein.

2.3 Grünkraut​

Da wir schon die Grünkrautanzucht angesprochen haben, möchte ich an diesem Punkt meine Favoriten auflisten, die besonders vital und schmackhaft sind.

2.3.1 Gerstengras​

Für mich hat Gerstengrass, zum Anfang der Ernährungsumstellung auf die vegane Rohkost, zum alltäglichen Saft gehört. Es ist sehr erfrischend, chlorophyllreiche und fördert die Reinigung und den Detox. Vor allem während einer Fastenphasen. Dabei ist die Anzucht recht einfach. Die Keimlinge habe ich Sprossengläser vorgezogen für zwei bis drei Tagen und im Anschluss habe ich die Sprösslinge auf die Erde gebracht. Nun habe ich circa eine Woche gewartet, bis das Gras erntereif gewesen ist. Nun einfach entsaften oder einen grünen Smoothie mixen.

2.3.2 Sonnenblumenkerngrün​

Die Sprossen sind sehr schmackhaft und besonders das Grünkraut von Sonnenblumen hat ein atemberaubendes Aroma. Es schmeckt wunderbar in Salaten oder verfeinert grüne Säfte oder Smoothies. Dabei bin ich bei der Anzucht genauso vorgegangen wie beim Gerstengras.

2.3.3 Erbsengrünkraut

Für einen urbanen Selbstversorger dürfen Leguminosen nicht fehlen. Das wunderbare an Erbsengrün ist, dass sie mehrmals geerntet werden können sind. Die gewünschte Menge für den Salat, Smoothie oder Saft abschneiden und einige Tage warten bis das Kraut wieder nachgewachsen ist. Diese Leguminosen haben sagenhafte Fähigkeiten. Nur die Bindung von Stickstoff von der Luft in die Knollenwurzel ist besser.

Bezugsquellen für Sprossen und Gräser habe ich hier aufgeführt.

2.4 Wichtige Hinweise

Eine gute Freundin von mir hat zwei wunderbare E-Books verfasst. Die gute Silke Leopold ist schon seit mehreren Jahren ebenfalls eine vegane Rohköstlerin und in ihren E-Books geht sie noch mehr auf die Sprossenzucht ein. Sie erläutert dabei viele Möglichkeiten und Hilfsmittel für die Anzucht. Sie beschreibt dabei Ihre eigenen Erfahrungen von weiteren Sprossenarten. Als Ergänzung geht sie in Ihrem zweiten Buch auf die Wichtigkeit von grünem Nahrungsmittel ein. Der Weg zur Gesundheit durch Chlorophyll.

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Copyright: Silke Leopold
Copyright: Silke Leopold

3. Fazit

Mein Fazit ist, dass jeder den kleinen Selbstversorger in sich wecken kann, auch wenn kein Garten zur Verfügung steht. Es gibt sehr viele Möglichkeiten innerhalb des Hauses, sein eigenes gesundes Gemüse anzubauen. Der Weg eines urbanen Selbstversorgers beginnt im Kleinen und den ersten Schritt müssen wir machen. Bereuen werden wir ihn nicht. 💙🙏

 

Ich freue mich auch auf eure Unterstützung, damit ich mein Projekt und Arbeit weiter fortführen kann. Möglichkeiten findest du hier. 

Gerne unterstütze ich dich oder gebe dir Coaching zur Ernährungsumstellung, der Permakultur oder dem Tai-Chi aus meinen eigenen Erfahrungswerte. Schreibe mir einfach dazu eine nette E-Mail an: CrankyRaw@web.de 💙🙏

Vielen Dank für das Teilen 🙂

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